Interview mit Parvin Hemmecke-Otte

Wir hatten die Ehre, die gebürtige Iranerin und Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen in Braunschweig Parvin Hemmecke-Otte zu interviewen. Dabei haben wir neben einem Einblick in ihr hohes soziales Engagement auch erfahren dürfen, wie sie die deutsche und iranische Kultur bewertet.

Ihr Leben

Parvin Hemmecke-Otte

Parvin Hemmecke-Otte

Parvin Hemmecke-Otte ist im Iran als jüngstes von fünf Kindern einer Grundbesitzerfamilie aufgewachsen. Auf den Pistazienplantagen ihrer Eltern ist sie praktisch mit der Landwirtschaft groß geworden.

Nach dem Abitur kam sie 1980 nach Deutschland, um in Kassel Internationale Agrarwirtschaft zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann kennen, 1987 wurde geheiratet. Seitdem bewirtschaftet das Paar einen Ackerbaubetrieb bei Braunschweig.

1988 trat Parvin Hemmecke-Otte dem Landfrauenverein bei und ist nun seit 2001 Kreisvorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes Braunschweig. 2012 wurde sie zur „Landfrau des Jahres“ ausgewählt. Seit 2012 ist sie auch Mitglied der Albrecht-Thaer-Gesellschaft.

Das Interview

Wir haben mit Parvin Hemmecke-Otte gesprochen. Lesen Sie das komplette Interview hier:

  • Wo und wie sind Sie im Iran aufgewachsen?

Ich bin sehr behütet in der im Südosten Irans gelegenen Stadt Kerman auf einer Pistazienfarm aufgewachsen.

  • Was war Ihr erster Gedanke, als Sie nach Deutschland kamen?

Mein erster Gedanke in Deutschland galt der Sorge, möglichst schnell die deutsche Sprache zu lernen.

  • Was mögen Sie an Deutschland?

An Deutschland mag ich die Pünktlichkeit und die Direktheit der Menschen, obwohl gerade die Direktheit mir am Anfang manchmal befremdlich erschien

  • Was vermissen Sie aus Ihrer Heimat?

Aus meiner Heimat vermisse ich das warme Klima sowie die Spontanität und Herzlichkeit der Menschen dort.

  • Wo sehen Sie Unterschiede zwischen der iranischen und deutschen Kultur?

Die Mentalität der Menschen in Deutschland und Iran sind einfach sehr unterschiedlich. Hier ist alles geregelt und alles wird in der Regel genau geplant. Im Iran gehen wir lockerer und spontaner mit allem um.

  • Welche Gewohnheiten, z.B. kulinarische, haben Sie aus dem Iran übernommen?

Alles was mit iranischer Esskultur zu tun hat, habe ich weitgehend hier in Deutschland übernommen. Wir essen z.B. im Iran in der Regel Reis als Beilage zu Speisen, keine Kartoffeln.

  • Woher kam Ihr Interesse für Agrarwissenschaften?

Ich bin in einer Grundbesitzerfamilie groß geworden, welche eine Pistazienfarm besitzt.

  • Was schätzen Sie am meisten an ihrer Tätigkeit als Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen in Braunschweig?

Durch die Landfrauenarbeit in Braunschweig bin ich, natürlich neben meiner Familie und Freunden, hier in Deutschland wirklich „angekommen“ und  integriert. Ich schätze die dadurch entstehenden Kontakte zu kompetenten Frauen und die Chancen, die sich für mich dadurch ergeben haben.

  • Woher kommt Ihre hohe Motivation für das Engagement für Landfrauen?

Meine Motivation gründet wesentlich auf den Zielen und Angeboten der Landfrauen; z.B. die Wahrnehmung der Interessen von Frauen aller Generationen und verschiedener Berufsgruppen. Schulungen, Ernährungsaktionen für Kinder, Seminare und Bildungsreisen sind Angebote der Landfrauen, die ich gerne und engagiert unterstütze.

  • Welchen Aktivitäten gehen Sie neben diesem Engagement noch nach?

Ich bin Mitglied im Zonta Club Braunschweig sowie Vorstandsmitglied im Haus der Kulturen in Braunschweig und in der Deutsch-Persischen Gesellschaft Braunschweig.

Ich habe eine Gesprächsgruppe für Frauen aus binationalen Partnerschaften gegründet, wo sich Frauen aus verschiedenen Nationen treffen. Ich biete Ess- und Kulturabende an, an denen Deutsche mit mir persisch kochen und ich Ihnen die persische Kultur näher bringe. Ich veranstalte ein Erzählkaffee für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zum Kennenlernen und Helfen. Außerdem bin ich zur Zeit oft als Dolmetscherin unterwegs, überwiegend afghanische Flüchtlinge betreffend.

  • Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich würde gerne meine Gruppenreisen in den Iran erweitern und z.B. auch speziell landwirtschaftlich geprägte Reisen anbieten.

  • Welche Erlebnisse haben Sie mit Reisegruppen, die Sie durch ihre Heimat führten, gemacht?

Meine Erlebnisse waren bisher fast ausschließlich positiv. Es erfreut mich, dass die Mitreisenden ein anderes, positiveres Bild vom Iran und den Menschen kennenlernen, als es allgemein aus den Medien zu entnehmen ist.

  • Welche Tipps haben Sie für Iraner, die sich dazu entscheiden, nach Deutschland zu kommen?

Mein Ratschlag ist immer, sich diesen Schritt genau zu überlegen und sich über Deutschland gut zu informieren. Ich weise auf die Notwendigkeit hin, unbedingt sofort mit dem Erlernen der deutschen Sprache zu beginnen. Man muss sich selber bemühen und kann nicht nur auf Hilfe warten.

  • Wie würden Sie sich selbst in drei Worten beschreiben?

Interessiert, hilfsbereit, gesellig!

Liebe Parvin Hemmecke-Otte, danke für das Gespräch!